Ein neues Haus für ein neues Spektrometer
Ein neues Haus für ein neues Spektrometer
Wie alles begann
Die Idee kam von der DFG. Kaum waren die ersten 750 MHz-NMR-Spektrometer
von den beiden großen Lieferanten angekündigt, regte diese Institution
die Bewerbung um zwei in Deutschland zu installierende Geräte an.
Bei insgesamt 8 beantragenden Gruppen fiel die Entscheidung zugunsten einer
Installation der beiden Geräte in Frankfurt/Main und München.
Die übrigen Antragsteller erhielten garantierte Meßzeit an diesen
Geräten. In München sind dies die Arbeitsgruppen Holak (Martinsried),
Rösch (Bayreuth), Michel (Leipzig) und zeitweise Oschkinat (Heidelberg).
Wo stellt man den Magneten
auf?
Das Kellergeschoß des Chemiegebäudes der TU München in
Garching ist genau 5 Meter hoch. Gigantisch! Wirklich? Ein 600 MHz-Spektrometer
stand bereits in diesem Kellergeschoß und jetzt bestand einmal eine
gute Möglichkeit, das von diesem Gerät verursachte Streufeld
wirklich zu messen.
-
Nachbarräume des Magneten: 10 Gauß
-
Eingangshalle über dem Magneten: knapp über 5 Gauß
Bei dieser Gelegenheit fanden wir dann auch gleich eine Erklärung
für verstärktes T1-Rauschen während der Wochentage. In der
Eingangshalle stehen recht massive stählerne Sitzbänke, die durchaus
nicht im Boden verschraubt sind.
Die Installation eines 750er Magneten in diesem Kellergeschoß
schied damit aus, jedenfalls ohne besondere bauliche Maßnahme. Was
konnte man tun?
-
eine magnetische Abschirmung an der Decke installieren?
-
ein Loch graben?
Ein sehr schöner Raum war ja schnell gefunden. Genauso schnell stellte
sich allerdings die Existenz eines Nullfeldmassenspektrometers zwei Stockwerke
höher gelegen heraus. Schade um den schönen Raum. Über einem
weiteren Raum befand sich eine Sonnenterasse. Prima. Deckenabschirmung?
Je nach Sonnenstrahlung dehnt sich die Decke freilich aus und dürfte
die Magnetfeldhomogenität nachhaltig beeinflussen. Also doch Loch!
Drei Meter müßte das in die Tiefe führen. Und so schritten
die Lochplanungen voran..... bis 1994 die Münchener U-Bahn-Bauer in
einem tragischen Praxistest die mangelhafte Standfestigkeit des Bodens
innerhalb der Münchener Schotterebene erkundet hatten. Ein Loch war
genug, für uns gab es keines mehr. Aber das war die Chance
für einen Neubau.
Den jetzt folgenden bürokratischen Kleinkrieg schenken wir uns
getrost. Keinesfalls vergessen werden sollte aber die außerordentliche
Kooperationsbereitschaft der bayerischen Landesregierung.
Das Haus im Bau
Freilich hätten wir das Haus lieber komplett antimagnetisch gehabt.
Der Kostenrahmen führte aber unweigerlich zu einem Stahlbetonbau.
Später wird noch festzustellen sein, daß daraus bis heute keinerlei
Nachteile resultieren.
Aber fangen wir endlich an. Einer der größten Augenblicke
ist zweifellos der erste Spatenstich. Die Kamera war leider nicht dabei,
aber immerhin kam sie auch nicht gar zu spät.
Die Kräne im Hintergrund gehören übrigens zur Großbaustelle
der Maschinenbaufakultät.
Nach den langen Verzögerungen bis zum Baubeginn schritt der Bau
selbst dann überraschend schnell voran. Die Wände standen nach
vielleicht 6 Wochen.
Noch ist Winter, das Ganze aber bei freundlicherweise frostfreiem Boden.
Die kleine Einkerbung in der linken Seitenwand übernimmt später
die gesamte Versorgung, selbst das Abwasser eines kleinen Handwaschbeckens
wird aus dem Gebäude herausgepumpt. Freilich hätte man auch durch
den Boden ver- und entsorgen können, aber die Münchener Schotterebene...
Der Pultförmige Dachaufbau ist hier erst andeutungsweise zu sehen.
Die spannende Frage für uns Laien lautetem bis zum entscheidenden
Ereignis: wie betoniert man ein schräges Dach?
Es ging ganz einfach:
Schließlich fehlen noch die Röhren, durch die später
die ganzen Ver- und Entsorgungsleitungen verlaufen.
Hier liegen sie noch nicht in Ihrer endgültigen Position sondern
in einem ca. 3x3 m2 großen Schacht. Dessen einzige Aufgabe besteht
darin, dem großen Magneten einen Zugangsweg zu bieten.
Noch ein Zwischenfall
In dem fertigen Haus sollten zwei Spektrometer samt Magneten stehen. Zum
einen ein vorhandener ca. 1 t schwerer 600 MHz-Magnet und der geplante
750 MHz-Magnet der Firma (hier ein Foto eines identischen Magneten in den
Werkhallen)
Magnex/Oxford mit einem Leergewicht von 1,3 t. Solche Magnete werden
- an der Decke hängend - erst an Ort und Stelle fertig montiert. Mit
zwei Deckenhaken, belastbar bis 1,5 t , glaubten wir uns auf der sicheren
Seite. Dummerweise gibt es nur zwei Produzenten, die den supraleitenden
Draht für Magnete der gewünschten Leistungsklasse produzieren
können:
-
Vakuumschmelze/Hanau und
-
Kobe Steel/Kobe.
Der für den erwählten Magneten wurde in Kobe produziert. Und
1995 war für Kobe
wahrlich kein Glücksjahr. Kein Draht aus Kobe, kein Magnet aus
Oxford. Immerhin hatte der gewählte Lieferant für das Spektrometer
(Bruker/Rheinstetten) zufällig einen Magneten der gewünschten
Klasse in der Ecke stehen: 3,5 Tonnen schwer. Und das Haus, samt 1,5-Tonnen-Haken
war bereits fertig. Warten wir mal ab, was das bedeutete.
Der Magnet ist da
Mittlerweile ist es schon Herbst 1995, der grosse Kran bestellt, der Lastwagen
mit der Lieferung da und es kann losgehen. Am Anfang geht alles ganz einfach,
ein paar Bilder sollen den angenehmen Teil der Installation begleiten.
Beim 600er Magnet war dann (fast) alles
ganz einfach
An dieser Stelle sei ein zu die4sem Zeitpunkt wehmütiger Rückblick
auf den fast problemlosen Umzug des 600er Magneten gestattet. Mit dem Kran
in das gleich noch zu zeigende Loch, mit Luftkissen (auch gleich noch detaillierter)
an Ort und Stelle, an der Kette
montiert, mit etwas abenteuerlich antransportiertem Helium
gekühlt und
geladen
Wenn dann die Heliumabdampfrate nicht um den Faktor 10 über dem
Sollwert gelegen hätte, wäre das Glück vollkommen gewesen.
Also aufwärmen, dabei das Helium sammeln (die Wasserleitung im
Bild transportiert Heliumgas zum nächsten Sammelpunkt)
und alles noch mal von vorn. Immerhin, dann funktionierte alles, auch
beim zweiten Laden gab es keinen Quench.
Zur Montage des 750er Magneten dann nochmal Kommando zurück, 600er
Magneten im Interesse der Montagearbeiten entladen. Aber auch das dritte
Laden nach der Montage des 750er Magneten lief wieder ohne Quench ab. Der
kam dafür dann über ein Jahr später aus heiterem Himmel,
Ursache bis heute unbekannt.
In den Keller
Jetzt ohne die lästige Verpackung noch einmal in die Luft
und
dann in den bereits gezeigten Montageschacht.
Die kleinen Platten am Boden unterhalb des Magneten sind wahre Wunderwerke.
Freilich sind es nur Luftkissen, aber damit läßt sich der 3,5-Tonnen-Magnet
spielend leicht bewegen.
Die Newtonschen Bewegungsgesetze behielten freilich auch hier Ihre Gültigkeit.
3,5 Tonnen am 1,5-Tonnen-Haken
Zur Erinnerung: das Gebäude war für den schließlich gelieferten
Magneten nicht konstruiert. Die "Lösung": eine Spezialfirma baut ein
Innengerüst (Bild 6), zieht daran den Magneten hoch. Sehr wackliges
Gebilde und vor allem: zu niedrig. Die nächsten zwei Stunden
sind etwas ratloses Palaver, die Suche nach einem Verantwortlichem, die
Suche nach dem Architekten (mit welcher Sicherheitsreserve wurde der Haken
berechnet) und schließlich eine eher amerikanische, pragmatische
Lösung. Im Bereich des Hakens wird die Decke gestützt,
die doch recht gefährliche Konstruktion am Haken fixiert und je nach
persönlicher Veranlagung Hilfe bei höheren Mächten erbeten.
Mit daran hängenden Magneten sieht das dann so aus:
Verwiesen sei auf den Mitarbeiter der Lieferfirma im Hintergrund, der
in der doch recht verzwickten Situation die Fäden in der Hand hielt.
Beide Experten schieben hier gerade ein Montagehilfsgestell unter den Magneten.
Dieses findet hinreichend Platz. Der endgültige Magnetfuß paßte
dann mit einem ganz beruhigendem Spielraum von 5 mm unter den Magneten
(der ließ sich keinen halben Millimeter mehr höher ziehen).
Freilich ist dies nicht weiter verwunderlich. Die Dachneigung des Gebäudes
wurde wissenschaftlich exakt berechnet. Als Maß diente aus ästhetischen
Gründen die Neigung des an der Baustelle vorgefundenen Erdhanges....
Alles fertig - es kann losgehen
Einige praktische Betriebserfahrungen
Der gepumpte Magnet
Arbeitsprinzip
Ehrlicherweise bereitete uns die Installation eines Magneten, der dann
sein Leben lang eine aktive Kühlung benötigt, reichlich Kopfzerbrechen.
Beim gewählten Problem löst man das Problem der sinkenden
Sprungtemperatur mit steigendem Magnetfeld einfach durch Heliumkühlung,
um das gewünschte Magnetfeld zu erreichen. Durch das Abpumpen von
Heliumgas wird eine Temperatur von etwa 2 K im Kryostaten erzielt.
Beim Ausbleiben der Kühlung steigt die Temperatur zwangsläufig
auf 4,2 K und bei dieser Temperatur sollte der Supraleiter kein ebensolcher
mehr sein. Ausprobiert hat es bis heute freilich niemand. Da zwei Oxforder
Hersteller auch 750 MHz-Magneten für 4,2 K Betriebstemperatur fertigen,
bleibt zumindest Hoffnung für den Ernstfall.
Wie man eine zuverlässige unterbrechungsfreie Stromversorgung entwirft
Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung mit Batteriebetrieb ist ja ganz
praktisch. Von der Auslegung her sollte sie - sie wird es wohl auch praktisch
tun - einen halben Tag Reserve hergeben. Innerhalb der letzten 6 Jahre
gab es in Garching eine Stromunterbrechung von ca. 2 Stunden Dauer, alle
weiteren waren kürzer als 1 Minute. Beste Voraussetzungen also. Nichtsdestotrotz:
das Garchinger Stromnetz beinhaltet bereits ein Notstromnetz für besonders
sensible Verbraucher. Dort soll im Ernstfall nach 15 Sekunden ein Dieselaggregat
die weitere Versorgung übernehmen. Also für alle Fälle :
USV an dieses Notstromnetz anschließen und es kann nichts passieren.
Nun ja, addieren wir in diese Rechnung noch ein bis zwei Murphy hinzu.
Das sieht dann so aus. Es existiert nur eine
Spezialsteckdose für die USV und die hängt wie beschrieben
am Notstromnetz. Und dann findet eine längere und angekündigte
Wartung des Notstromnetzes statt...
Aber der Magnet steht noch.
Bereitschaftsdienst
Eine recht aufwendige Elektronik überwacht den Magneten rund um die
Uhr. Die beiden wichtigsten Messwerte wären
-
die Temperatur im Heliumkryostaten und
-
der Heliumdruck in der Abpumpleitung.
Der zweite Wert verdient eine kurze Erläuterung. Durch den Unterdruck
in der Abpumpleitung könnten Sauerstoff und Stickstoff in das Heliumsystem
geraten. Mit etwas Pech gefrieren sie dort und versperren den Weg für
das weitere Abpumpen von Helium. Der Magnet würde nciht mehr gekühlt.
Indiz für dieses Problem wäre ein sinkender Druck in der Abpumpleitung.
Und nun beobachten wir einmal, was die Überwachungselektronik mit
diesen beiden Meßwerten anstellt.
Fallbeispiel 1: Nachfüllen von Helium
Gefüllt wird üblicherweise in den Tagesstunden. Während
des Füllens steigt die Temperatur im Kryostaten um vielleicht 1 mK.
Schrecklich wenig, aber die als Sensoren verwendeten Glaskohlewiderstände
arbeiten bei der Temperatur des flüssigen Heliums extrem nichtlinear
und signalisieren eine dramatisch steigende Heliumtemperatur. Ein Fall
für den Telefoncomputer. Der ruft jetzt zunächst innerhalb des
Hauses alle verfügbaren Nummern an. Damit wäre der Fall an sich
erledigt, ein echtes Problem liegt ja gar nicht vor. Aber, um den Telefoncomputer
zufriedenzustellen, müssen mindestens zwei Mitarbeiter den Notruf
quittieren. Das ist eine über das Telefon einzugebende 4stellige Zahl,
die natürlich niemand kennt. In seiner Verzweiflung fängt der
Telefoncomputer jetzt an, die Privatanschlüsse der Mitarbeiter anzurufen.
Sofern da überhaupt jemand ans Telefon geht, handelt es sich um Freunde/Freundinnen,
Ehegatten, Eltern, Geschwister ... der Mitarbeiter. Und die sind über
die dann folgende Mitteilung, daß der Magnet wegen der zu hohen Temepratur
einen kritischen Zustand erreicht zutiefst beunruhigt und versuchen nun
ihrerseits im Institut anzurufen. Da sie die ruhestiftende Geheimzahl erst
recht nicht kennen, versucht es die Überwachungsanlage in der nächsten
Runde auch wieder im Institut, so daß doch einiges Leben in der Bude
herrscht.
Fallbeispiel 2: Selbstüberwachung der Anlage
Für das Abpumpen von Helium sind zwei Pumpen vorgesehen, eine davon
arbeitet. Die zweite dienst als Notreserve. Um sie betriebsfähig zu
halten, wirft die Pumpeinrichtung diese zweite Pumpe alle zwei Wochen für
einige Minuten an. Und manchmal passiert dann Folgendes:
-
Zweite Pumpe an.
-
Größere Abpumpleistung.
-
Druck in der Heliumleitung sinkt.
-
Alarm! Druckabfall! Die Abpumpleitung friert zu!
-
Pumpen auf Teufel komm raus!
-
Zweite Pumpe parallel zur ersten in Betrieb halten!
-
Telefoncomputer gibt Alarm.
Eine echte selbsterfüllende Prophezeiung.
Qualitäten eines gepumpten Magneten
Nun, der Heliumverbrauch ist sicher kein positives Kriterium. Dafür
aber
-
die hervorragende Feldhomogenität (keine nennenswerten höheren
Shimordnungen) und
-
die noch hervorragendere Feldstabilität
Nachdem sich nach mittlerweile fast zwei Jahren die Befürchtungen
bezüglich der Kühlung zerstreut haben, sind wir doch recht froh
über das Gerät.
TMC-Dämpfer
Im Gegensatz zu einfachen Gummidämpfern sollen diese Füße
auch niederfrequenten Schwingungen ausfiltern. Obwohl Sie dies wahrscheinlich
auch tun, haben uns diese Füße fast zur Verzweiflung getrieben.
Beim 600 MHz-Magnet ist der Kern nur an zwei Punkten aufgehängt. Er
kann damit innerhalb des Kryostaten völlig frei schwingen und wird
dies bei einer Bewegung des Kryostaten wohl auch tun. Damit haben wir aber
bei jeder Lageänderung des Kryostaten ein völlig anderes Magnetfeld,
vor allem die Magnetfeldhomogenität schlägt Kapriolen. Bei den
einfachen Gummidämpfern kein Problem, der Magnet kehrt bei jeder Bewegung
(Probenwechsel, Kryogenfüllung) in eine reproduzierbare Ausgangsposition
zurück. Die TMC-Dämpfer weisen leider eine deutliche Hysterese
auf. Wir haben es ausprobiert. Man kann den Magneten etwa um ein halbes
Grad neigen, ohne daß er anschließend in seine Ausgangsposition
zurückkehrt. Was tun? Zeitweise geisterte die Idee durch die Gegend,
zwei Laser zum Kalibrieren auf dem Magneten zu befestigen. Damit könnte
man den Magneten wenigstens manuell in eine reproduzierbare Position bewegen.
Hätten wir vielleicht auch so resultiert, bis wir ein noch viel größeres
Problem bemerkten.
Zwei Magnete auf Tuchfühlung
Wenn schon Neubau, dann doch möglichst gleich für zwei
Geräte. Also zog ein 600er Magnet wie bereits beschrieben mit um.
Die Zentren der beiden Magneten sind jetzt etwas mehr als 6 Meter voneinander
entfernt. Alle befragten Experten wiegten vor der Aufstellung mehr oder
weniger weise mit ihren Köpfen. Die Hauptbefürchtungen galten
einer mechanischen Verschiebung der innerhalb des Kryostaten nur aufgehängten
Magneten. In dieser Phase erhielten wir die Nachricht, daß Prof.
Opella zwei 750 MHz-Magnete mit einem Zentrumsabstand von nur 5 Metern
aufstellt. Und was Opella tut, kann einfach nicht schlecht sein. Die Entscheidung
war damit gefallen.
Beim Laden
Der 600 MHz-Magnet war zuerst auf Feld. Jetzt galt unsere Frage der Beeinflussung
dessen Magnetfeldqualität beim Laden des 750 MHz-Magneten. Wir hatten
ja eine deutliche Beeinflussung von x- und y-Shim erwartet und eine kleinere
Beeinlfussung von z (weil die Höhe der Magnetfeldzentren bei beiden
Magneten nicht gleich ist). Die Überraschung: überhaupt keine
Beeinflussung der Magnetfelhomogenität. Die Gesamtfeldstärke
änderte sich um etwa 2000 Skaleneinheiten (Umrechnung in Gauss unbekannt)
aber das war alles. Gewonnen!
Im Betrieb
Man freut sich ja öfter einmal zu früh. Alles sah ganz hervorragend
aus. Erst ein halbes Jahr später sahen wir das Problem. Wir konnten
es nicht früher bemerken, weil alle Messungen in der Regel mehrere
Tage liefen und der Probenwechsel an beiden Spektrometern asynchron verlief.
Aber nach einigen Monaten wurde am DMX 600 gerade eine Messung angesetzt
und am DMX750 der Probenkopf gewechselt. Das Locksignal am DMX600 schlug
wahre Kapriolen. Die Ursache: der schwingungsgedämpft gelagerte DMX750-Magnet
wurde beim Probenkopfwechsel leicht gekippt. Damit kippte natürlich
dessen gesamtes Streufeld und Homogenität und/oder Feldstärke
am 600 MHz-Magneten waren nicht zu gebrauchen. Als Lösung wollten
wir den großen Magneten in vier Richtungen mit arretierbaren Stäben
sichern, jedenfalls, solange am Magneten gearbeitet wird. Vielleicht wäre
das sogar eine brauchbare Lösung gewesen, allein es fiel uns kein
Weg ein, die notwendigen konstruktiven Änderungen durchzuführen.
Da wären Bohrarbeiten in vielleicht 50 cm Abstand vom Magneten nötig
gewesen. Kein Chance. Eine Letzte Lösung: Außerbetriebnahme
der Dämpfungselemente. Freilich half das gegen die ungewünschten
Magnetbewegungen, aber was würde jetzt mit der Spektrenqualität?
Und wieder einmal kam unverdientes Glück zu Hilfe.
-
lag der Neubau in einem wirklich schwingungsarmen Bereich. Bedingt durch
die Konstruktion gab es praktisch keine Schwingungsübertragung zum
Hauptgebäude und
-
wollten wir die Kabel innerhalb des Fußbodens verlegt haben. Durch
die notwendigen Fußbodenkanäle konnte kein schwimmender Estrich
aufgebracht werden. Die Fußbodenisolierung befindet sich nun sehr
viel tiefer, etwa unter einer 20 cm dicken Betonschicht. Die dadurch entstandene
außerordentlich massive Betonplatte weist nur sehr tieffrequente
Schwingungen auf, die durch die Gummidämpfer ohnehin nicht abgefangen
würden.
Die Magnete stehen jetzt praktisch direkt auf dem Fußboden, ohne
daß bis jetzt irgendwelche negativen Auswirkungen auf den Meßbetrieb
zu beobachten wären.
Notstrom und Sicherheit
Notschalter an den Eingängen von Laborräumen sollen alle Geräte
im Labor abschalten, unterbrechungsfreie Stromversorgungen sollen genau
das verhindern. Oder anders: wie unterscheidet eine USV zwischen einem
unbeabsichtigten und einem beabsichtigten (Notschalter) Stromausfall. Im
ersteren Fall soll sie weiterlaufen im zweiten Fall nicht.
Nun, eine Patentlösung ist uns nicht eingefallen. Der Schütz,
über den die Laborstromversorgung läuft, wird jetzt direkt von
der USV versorgt, die USV selbst wird durch den Schütz sowohl primär-
als auch sekundärseitig getrennt.
Für Interessenten das Schaltbild:
Kleiner Haken: das Ganze funktioniert nur, wenn die Stromausfälle
kürzer bleiben als die Überbrückungszeiten der Batterien.
Danach geht erst einmal überhaupt nichts mehr. Aber wie gesagt, etwas
Besseres ist uns nicht eingefallen.
Thermoakustische Schwingungen
Der 750 MHz-Magnet zeigte diese Störungen recht ausgeprägt. Das
Problem war den Konstrukteuren durchaus bekannt, es sollte mit Hilfe von
Helmholtz-Resonatoren unterdrückt werden.
(Bild eines Helmholtz-Resonators)
Soweit die Theorie. Die thermoakustischen Seitenbanden erreichten im
Lineshape-Test immer etwa 500% der Intensität der Kohlenstoffsatelliten.
Aber hier kam uns die Magnetkonstruktion zu Hilfe. Bedingt durch die
aktive Kühlung ist die Temperatur der Magnetspule unabhängig
vom äußeren Luftdruck. Damit kann man einen etwas höheren
Druck im Heliumvorratsgefäß im Kauf nehmen. Im konkreten Fall
sind dies etwa 50 mBar. Dieser Überdruck ergibt sich durch das Ausströmen
von Helium durch einen etwa 40 cm lang mit Watte gefüllten Vakuumschlauch.
Diese simple Dämpfung eliminiert die thermoakustischen Schwingungen
vollständig.
Thermoakustische Schwingungen können durchaus lästig werden.
Am 600er Magnet traten diese allein durch das Kürzen des Heliumauslaßschlauches
auf und führten zur Verdreifachung des Heliumverbrauches, von den
Seitenbanden gar nicht zu reden.
Stickstoffkühlung
An nahezu allen Spektrometern kann man eine starke Vereisung der Auslaßöffnungen
am Stickstoffkryostaten beobachten. Ungefährlich, aber sehr lästig,
weil je nach Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur größere Wassermengen
von diesen Eisklumpen abtropfen. Bei einem Stickstoffverbrauch von etwa
150l/Woche für den 750 MHz-Magneten war auch der Anfall von Kondenswasser
entsprechend, vor allem beim Abstimmen des Probenkopfes konnte man schon
eine Dusche abbekommen. Viel schlimmer war dieses Tropfwasser natürlich
für diverse Geräte im Umfeld des Magneten (vor allem die Steckverbindungen).
Mit einer kleinen Modifikation sammeln wir das Kondenswasser jetzt
(Bild des Wassersammelns),
wir können diesen kleinen Umbau nur empfehlen.